Sturmzeitgeschichten

Willkommen in der Heinrich-Heine-Straße

Claudia Pautz

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In dieser Straße bin ich aufgewachsen. In dem Haus hier rechts. Auf den Balkon mit dem schmiedeeisernen Geländer in der 1. Etage saß meine Großmutter oft und beobachtete die Feriengäste, die bepackt mit Luftmatratzen und  Kühlboxen auf dem Weg zum Strand waren. Neben ihr stand ein Vogelbauer, in dem Hansi sein Lied in die Welt hinaus trillerte. Die Straße selbst glich eher einem Holperweg und wo jetzt gepflasterte Bürgersteige sind, war damals nur Sand. Das Schönste aber war der kurze Weg zum Strand. 
Unten an der Ecke gab es einen Eisladen, der nur sommertags geöffnet hatte. Jeden Morgen, bevor ich mich auf den Weg an den Strand machte, gab mir meine Großmutter einige Groschen für ein paar Kugeln Eis. Die Auswahl war klein, Schoko und Vanille, irgendwann kam noch Frucht dazu. Welche Frucht, war nicht zu erschmecken und es spielte auch keine Rolle. 
Ich hatte den schönsten Spielplatz direkt vor der Tür. Die verwinkelten Hinterhöfe der alten Bädervillen, die verrosteten Gartentüren, der Eisladen an der Ecke, die lebendige Promenade und ein paar Meter weiter das Meer. Dieses unendlich weite Meer. Und wenn ich die Schiffe auf dem Horizont fahren sah, träumte von fernen Ländern. Es fehlte mir an nichts. Ich war einfach ein Kind am Meer.