Schurkes Sicht der Dinge

Alles meins!

Schurkes Sicht der Dinge
01.09.2019

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Das Interessante an der Bäderarchitektur sind ja wohl die Gartenzäune. Ihr habt keine Ahnung, welch unglaubliche Geschichten es mancherorts für meine sensible Nase zu lesen gibt. Erst neulich muss das Fräulein Trixi aus dem fernen Berlin der Villa Oppenheim einen Besuch abgestattet haben. Dass sich die Dame in anderen Umständen befindet, wird ihr Herrchen wohl noch ziemlich überraschen. Sie jedenfalls interessierte das wenig. Statt sich sittsam zu geben, versprühte sie ihren betörenden Duft die Promenade entlang bis zur Villa Staudt. Glücklicherweise zerrte mich das andere Ende der Leine dann Richtung Seebrücke und der Schwindel ließ langsam nach.

Dort traf ich Krüger. Was für ein blöder Name für ein Exemplar der coolsten Rasse auf Gottes weiter Erde. Ein Pudel, der sich scheinbar täglich der Haarpflege unterziehen muss, um formvollendet und standesgemäß an Frauchens Seite durch die Gegend stolzieren zu können. Widerlichst! Am liebsten hätte ich ihn am frisch toupierten Schwanz auf den alten Sportplatz gezogen. Da ist der Sand so richtig schwarz und staubig und bestens geeignet für eine ausgiebige Suhlerei. Stattdessen blieb er leinengebunden und auf Abstand gehalten sitzen und erzählte mir von seinem adligen Stammbaum und dass er ja ein „von“ wäre. Das hinter dem „von“ war dann so interessant, dass ich es gleich wieder vergessen habe. Außerdem bin ich selbst ein „von“, nämlich Schurke von Usedom.

Übrigens mag ich diese alten Häuser hier total gern. Zum einen gibt es immer etwas zu entdecken, zum anderen sind sie im Sommer herrlich kühl. Am allerliebsten aber sitze ich auf dem Balkon und schaue durch das schmiedeeiserne Geländer auf die Urlaubshunde hinunter. Und manchmal, gaaaanz selten, also fast nie, teile ich ihnen dann lauthals mit, dass das hier alles meins ist. Meine Häuser, meine Promenade und vor allem mein Strand!